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Christopher Thum | 08.06.2010

Eine Frage des Stils

„Halt! Hiergeblieben! Ist hochinteressant… Versprochen!”

Es ist nämlich heutzutage keineswegs so, dass man da nix falsch machen kann. Passiert leider jeden Tag… Ich  spreche da aus Erfahrung.

Da kommen zum Beispiel gerne mal Gäste mit ihren Kunden ohne Reservierung ins Restaurant und man muss ihnen sagen: „Das tut mir leid,  wir sind  schon ausgebucht. Ich biete Ihnen aber gerne unsere Bar an, falls Sie warten möchten.“ Die Frage ist doch: Wie steht der Gast jetzt vor seinen Kunden da und was verrät das seinen Kunden über ihn? Ich sag´s Ihnen. Der Kunde wird denken: „Er hat sich nicht vorbereitet. Wir sind ihm nicht wichtig genug. Verhält er sich auch so, wenn es um unser Projekt geht?“

Noch ein Beispiel: Is´ echt passiert. Da bucht einer für 20 Gäste – seine Kunden – in einem typisch deutschen Restaurant einen Tisch. Bestellt ein Menü mit Weinprobe. Er will es seinen Gästen richtig schön machen. Was er nicht beachtet hat, ist, dass der Chef der Gruppe, die er zum Essen einlädt, Moslem ist und daher weder den Wein zu schätzen weiß noch die Schweinelendchen aus dem Hauptgang. Das hätte er aber wissen können, weil der Firmensitz der eingeladenen Gäste Vereinigte-Arabische- Emirate ist und er vorher mit dem Chef der deutschen Niederlassung  dieser Firma  zu tun hatte, den er hätte fragen können. Der Punkt ist doch der: Hier geht es um zwischenmenschliche Beziehungen und eben auch darum, einem Gast/Kunden in schöner Atmosphäre zu zeigen,  dass man selbst  ein guter Typ ist, der alles hinbekommt, der Probleme für seine Kunden löst, der verlässlich ist.

Und ? Was hat er jetzt erreicht? Vielleicht sind 6 Wochen Vorbereitung auf ein Geschäft versaut, für das er ja  von seinem Chef bezahlt wird. Da braucht er jetzt den Rest des Abends, so er denn gelingt, um das wieder geradezubiegen und dem arabischen Chef zu zeigen, dass er kein Voll-Pfosten ist.

Was lernen wir daraus?

Lassen Sie mich kurz erklären: Heute kann ein (Ein)- Käufer  jedes x-beliebige Produkt von überall auf der Welt in kürzester Zeit ohne menschlichen Kontakt zu sich nach Hause holen. Das heißt  umgekehrt  für den Verkäufer: Kundenbindung ist für Firmen, die Produkte verkaufen, die nicht durch Einzigartigkeit glänzen,  das allerwichtigste.

In unserer Zeit läuft das doch so: Man hat als Firma einen Zulieferer, der einem  just in time das richtige Produkt ans Band oder einfach in die Produktion liefert. Wenn es jetzt ein Problem mit diesem Produkt gibt, ruft man ihn an und der Zulieferer  muss das Problem lösen, um seine Absatzmöglichkeit nicht zu verlieren.

Stellen Sie sich vor, dass Sie der Kunde unseres Freundes mit dem Moslem und der Weinprobe sind. Wollen Sie Ihrem Chef erzählen, dass Sie zur Lösung Ihres Produktionsproblems jetzt ausgerechnet den anrufen? Na? Eben! Denn unser Freund hat an diesem Abend seine Souveränität verloren und das nicht ohne Grund. Dabei könnte es so einfach sein. Betrachten Sie das Restaurant, das Sie als das beste für Ihren Anlass aussuchen, als Ihren Partner. Lassen Sie sich beraten! Die wissen schon, was für Ihre Gäste das Beste ist, weil sie Experten sind. Und Experten zu Rate zu ziehen, wenn man ein Problem im geschäftlichen Umfeld hat, ist ein Zeichen von Souveränität. Lassen Sie sich empfehlen,  was Sie essen und trinken sollen und geben Sie Ihrem Restaurant die Informationen, die es dazu braucht, um das Optimale für Sie und Ihre Gäste zu leisten. Vergessen Sie den Verdacht bei diesem Vorgehen betrogen zu werden. Die Zeiten, als in Restaurants das Wort „Empfehlung“ gleichzusetzen war mit „Das muss weg“ sind vorbei. Wenn es doch so  sein sollte, ist es das falsche Restaurant und nicht der richtige Partner für Sie.

Noch ein Tipp am Rande: Denken Sie bei dem Thema Geschäftsessen an eine Chance Ihr Ziel zu erreichen und nicht einfach an Nahrungsaufnahme. Das hilft. Versprochen!!!

In diesem Sinne und auf den guten Stil.

Ihr Christopher Thum

Christopher Thum | 30.12.2009

Das Ende – oder: was ist ein Silvester-Büffet?

Die ersten Flocken fallen vom Himmel und es wird kälter, trotz neuem Klima. So weit, so gut. Der Stresslevel wird auch ohne zu erwartende Naturkatastrophen hoch genug, denn schließlich weihnachtet es ja gerne mal um diese Zeit. Jedes Jahr aufs Neue bereitet man das schönste Fest des Jahres vor und jedes Jahr wird beschenkt, gegessen und gestritten, was das Zeug hält…, na meistens jedenfalls.  Natürlich könnte man hier nun über den Umgang mit der Familie reden und Tipps geben, die das gegenseitige Zerfleischen auf ein Minimum reduzieren.
Da kann man aber Bücher mit füllen und so viel Zeit hab ich auch nicht.
Widmen wir uns hier lieber einem Thema, das viele am Ende des Jahres beschäftigt, die nicht „im trauten Heim“ essen wollen oder können: Silvester!!!
Es ist zu einem schönen Brauch geworden, dieses Fest in Restaurants oder Hotels zu feiern, die man entweder in der Heimatstadt oder an einem Urlaubsort ausgewählt hat. Man findet dann geschmückte  Räume vor, die das Flair eines besonderen Anlasses vermitteln sollen. Die auserwählten Gastronomen servieren dann ein Menü oder ein Büffet und man lässt es sich so richtig gut gehen. Auf welchem Niveau dieses Ereignis statt-findet, entscheiden Sie als Gast…mit der Wahl Ihres Gastronomen.

Und siehe da…wir sind beim Thema: Silvester-Büffets.
An dieser Stelle möchte ich Sie gerne mit auf eine Reise durch Ihr Vorstellungsvermögen nehmen.
Sie betreten einen Raum, leise Musik spielt im Hintergrund. Vor Ihnen breiten sich die Tische aus, die auf Gäste warten, hier und da huscht ein Mitarbeiter durch Ihr Blickfeld. Mit einer kleinen Drehung Ihres Kopfes zur längsten Wand des Raumes erspähen sie eine Reihe langer Tische, auf denen sich allerhand Dekoration tummelt und vermuten das Büffet an dieser Stelle.
„Richtig“, denken Sie. Denn schon wabern Düfte von Gebratenem und Geschmortem um Ihre Nase. Ihre Schritte führen Sie zu der Quelle des Wahrgenommenen. Sie sehen silbrig glänzende, dampfende Rechauds,  in denen sich Edelfische mit Reis mischen oder gerne auch die kleinen delikaten Fleischbällchen in Sauce. Es gibt Warmhaltebehälter für Gemüse und solche, die Tranchen von Fleisch in Sauce enthalten. Ganz sicher gibt es einen, in dem ein Kartoffelgratin auf seine Bestimmung wartet. Und wartet. Und wartet.
Frage: Wo sind Sie?
Silvesterfeier…? Vielleicht.
Könnte aber auch ein Restaurant an der A3 sein. Eins, an dem man auch tanken kann! Oder?

An diese Stelle gehört jetzt die Aussage, dass nicht alle Gastronomen Ihr an diesem Abend sehr teures Essen zu Tode warten lassen, bis es vielleicht jemand isst. Trotzdem sollten Sie als Gast, grade an Silvester, Wert auf Qualität legen.
Q u a l i t ä t!
Silvesterqualität haben „Warm-Warteschlangen-für-Speisen“ nur in den ersten 5 Minuten. Und guten Stil? Guten Stil wohl von Anfang an nicht.
Ist es nicht viel schöner, wenn es schon ein Büffet sein muss, ein solches zu zaubern, an dem Gäste Ihre Gerichte „à la minute“  gebraten oder tranchiert bekommen? An dem eine Heerschar von Köchen jedes einzelne Filetspitzchen nur für Sie in eine Pfanne lädt und Sie dann fragt: „Wie darf ich es Ihnen braten?“
Sie wollen doch auch ein Büffet vorfinden, an dem Sie nicht in Ihrer besten Garderobe mit einem Teller in der Hand Schlange stehen und langsam verhungern. Sie wollen ein Konzept vorfinden, das dem Menü überlegen ist, weil es in jedem Raum und in jeder Ecke was Besonderes zu entdecken und zu probieren gibt? Und ist ein solches Büffet nicht eher sein Geld wert?
Immerhin schließen Sie ein Jahr ab und feiern in das nächste rein. Da sollte man sich nicht mit etwas Gewöhnlichem zufrieden geben.
Und dann wäre noch völlig unnötigerweise zu empfehlen: Bleiben Sie der alten Regel treu, nehmen Sie Gang für Gang. Damit gehen Sie öfter, das tut gut! Und dann brauchen Sie sich den Teller auch nicht so voll zu packen, mit Speisen die dort nichts miteinander zu tun haben wollen und im übertragenen Sinne miteinander in Streit geraten können.
War da nicht was an Weihnachten?

In diesem Sinne und auf den guten Stil.

Ihr Christopher Thum

Christopher Thum | 24.11.2009

Von warmem Rotwein und anderen Katastrophen

Endlich – Christopher Thums erste Kolumne aus der Reihe Business Style Guide für Gourmets erscheint exklusiv für den Gourmondo GourmetBlog. Der Autor von “Geschäftsessen. Souverän gestalten” schreibt regelmäßig über die kleinen und großen Fettnäpfchen im Restaurant, beim Geschäftsessen und im kulinarisch-gastronomischen Bereich allgemein. Lesen Sie und amüsieren Sie sich. Das Set zur Kolumne mit Christopher Thums Buch, Rotwein und Crackern gibt es im Shop auf www.gourmondo.de.

Für Menschen, die auf guten Stil Wert legen und sich gut benehmen wollen, ist das Leben nicht einfach. Was soll man sagen… es legen sich einem des Öfteren, und nicht immer unerwartet, Steine in den Weg.

Wovon rede ich…?
Zur Erklärung ein kleines Beispiel, bei dem Sie sich Ihre eigenen Erlebnisse zu diesem Thema – und ich wette, Sie hatten welche- vor Augen führen können.

Sie sitzen in Ihrem Lieblingsrestaurant, einem guten Restaurant. Vielleicht wollen Sie der in Seide gehüllten Schönen gegenüber am Tisch einen beeindruckenden Abend bieten. (Mit der Schönen ist die Geschichte reizvoller). Am Nebentisch sitzt ein Exemplar der Gattung „Stilfeind“, wahlweise auch „Großkotz“ genannt und ruft folgenden Satz:

„Hee! Ober! Mein Wein is warm“

Der Servicemitarbeiter eilt zum Tisch und sagt mit Blick auf den Wein in eloquentem Ton:

„Das tut mir Leid, mein Herr. Gerne können wir den Wein ein wenig runter kühlen. Wobei ich Sie darauf aufmerksam machen möchte, dass es sich hier um einen 1990er Latour handelt, der bei 18° C seine Qualität am besten entfaltet.“

Sie ahnen, was kommt:

„Mich interessiert nicht, ob der Wein La… irgendwas heißt…Ich will ihn kalt! Schließlich zahle ich Sch… viel Geld dafür und wenn ich sage, dass….“

Den Rest schenken wir uns. Sie haben das Bild ja jetzt vor Augen (und die Dame in Seide…Sie erinnern sich).

Es ist nicht ganz einfach, mit solchen Situationen umzugehen.
Sicherlich fällt Ihr Blick auf den Nebentisch und im Augenblick des Hinsehens wünschen Sie sich, dass Ihre Neugier nicht entdeckt wird. Sie sehen die achtlos beiseite geschobenen Besteckteile, das Handy und den Porscheschlüssel auf dem Tisch, und die Lippen der Begleitung des lauten Herren, die ein Drittel Ihres Gesichts ausmachen. Daraufhin verkneifen Sie es sich, die Dame genauer zu betrachten… Sie wollen ja noch essen. (Die Dame in Seide nicht zu vergessen).

Die Ultima Ratio in dieser Situation ist es, Ihre ganze Kraft auf das Ignorieren des Nebentisches zu richten. Nur… trübt dieses Bemühen nicht die Freude an Ihrem Restaurantbesuch (und an der Dame gegenüber)?

Die Kunst ist es – und damit erzähl ich Ihnen bestimmt nichts Neues – bei den Menschen in Ihrer Umgebung durch Ihr Erscheinen und Ihr Benehmen keine Beeinträchtigung des Wohlbefindens auszulösen.

Wolfgang Joop sagt dazu: „Stil ist eine Verabredung mit der Gesellschaft“  und da hat er Recht. So stolz man auch auf seinen Porsche sein mag, so sehr man sich freut, das neueste Handy sein Eigen zu nennen, so wenig gehören diese Signale auf den Tisch in einem Restaurant. Es beeinträchtigt ganz erheblich das Empfinden der anderen Gäste; und das erst recht, wenn das Superteil auch noch dynamisch läutet und lauthals benutzt wird.

Oft höre ich nach diesem Ratschlag die Aussage: „Was hat denn mein Porsche mit den anderen Gästen zu tun. Is mir doch egal was andere von mir denken.“

Genau…..!
Das ist der Unterschied zwischen „gutem Stil“ und „gar kein Stil“.

Noch ein Beispiel, das Sie kennen werden:
Sicherlich haben Sie es schon erlebt, dass Menschen auf dem Standpunkt stehen:  mich gibt’s nur in Jeans und Pulli. Egal, wo ich hingehe. Dagegen ist ja vielleicht grundsätzlich nichts zu sagen. Für viele andere Menschen geht es bei Anlässen wie z.B. einem Opernbesuch – neben dem Kunstgenuss – aber auch darum, einem gesellschaftlichen Ereignis in angemessener Form beizuwohnen und es mit anderen zu teilen. Einen großen Teil der Qualität dieses Abends tragen also die anderen Menschen bei. Wenn diese nun auch noch angemessen gekleidet sind, leidet keiner und alle haben einen schönen Abend.

Wenn man doch also weiß, dass der Pulli und die Jeans fehl am Platz sind, und man sie trotzdem trägt, zeugt das zwar einerseits von einem ausgeprägten Individualismus, andererseits aber eben auch von bewusster Rücksichtslosigkeit den Mitmenschen gegenüber.

Zurück in Ihr Restaurant (und der Dame in Seide).

Wie retten Sie jetzt die Dinge, die Ihnen  gerade am wichtigsten sind.
Abend, Essen, Stimmung, Dame, Ehre, guten Eindruck.

Sie könnten sich einmischen… Dabei könnte aber die Gefahr bestehen, dass danach Ihr Mund, durch Gewalteinwirkung, ähnliche Formen aufweist wie bei der Dame vom Stilfeind.

Sie könnten ihm  (dem Großkotz) auch eine kalte Cola bestellen und ihm raten, sie mit dem Wein zu mischen…Das macht auch kühleren… na.. nennen wir es ruhig mal „Wein“.

Sie könnten sich auch selbst einen 90iger Latour bestellen und dem Service aufrichtig für die richtige Temperatur danken.

Sie können aber auch das Richtige tun und damit Ihre Souveränität unter Beweis stellen. Denn darum geht es.

Sie können sich vor Ihrem geistigen Auge zurücklehnen und das Wissen genießen, dass ein Château Latour ein 1er Cru aus dem Bordeaux ist, dass 1990 der vielleicht beste Jahrgang des vergangenen Jahrzehnts war und Sie könnten die Dame in Seide damit beeindrucken, dass der Wein aus dem kleinen Ort St. Lambert kommt. An der Grenze zu Saint-Julien, in der Region Médoc, nordwestlich von Bordeaux. Sie könnten ihr sagen, dass dort 75% Cabernet Sauvignon und ca. 20% Merlot angebaut werden, der Rest mit Cabernet Franc und Petit Verdot bepflanzt ist. Wie gesagt, wenn Sie es wissen. Aber es wäre ja auch schon eine „Verabredung mit der Gesellschaft“, mit I h r e r Gesellschaft, davon zu schwärmen, dass die sanften Hügel dieser Region im abendlichen Licht bezaubernd sind und dass ganz in der Nähe eine der größten Sanddünen Europas zu finden ist und dass man in den kleinen Mulden auf dem Kamm mit Blick auf das Meer ganz fantastisch und ungestört picknicken kann. Das alles könnten Sie tun…wenn Sie wollen oder wenn Sie gefragt werden.

Können ist was Tolles … Wissen auch… und guter Stil erst!

Spätestens jetzt haben Sie vergessen, was Sie gestört hat.

Was war das noch gleich… oder wer?

Auf den guten Stil !

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